Headerbild: Sara Neidhardt

Farbe. Pinsel. Leidenschaft.
frauen im Kunsthandwerk
Lesezeit: 2 Min.

von Lea-Mareen Kuhnle
Der Deckel ploppt auf, ein zarter Erdton kommt zum Vorschein. Maria Obermeier taucht die Farbrolle ein, setzt die erste Bahn an die Wand – und plötzlich verändert sich der ganze Raum. Das Licht wirkt wärmer, die Atmosphäre dichter. Für Maria ist genau das der Moment: wenn aus Farbe Gefühl wird – und aus einem Raum ein Zuhause.
Für Maria Obermeier aus Rottendorf bei Schmidgaden war früh klar, dass sie ins Handwerk will. Ein Schülerpraktikum hat gereicht – das Malerhandwerk hat sie sofort gepackt. „Man macht jeden Tag etwas anderes“, sagt sie. Genau diese Mischung aus Materialien, Techniken und Kreativität ist es, die sie bis heute reizt. Mittlerweile ist sie Maler- und Lackierermeisterin und führt ihren eigenen Betrieb. Und obwohl sich ihr Beruf stark verändert hat – weg von aufwendigen, kreativen Techniken hin zu viel Weiß und Standardlösungen – macht sie bewusst ihr eigenes Ding. „Ich setze ganz viel Kreatives um.“ Auf Social Media zeigt sie, was alles möglich ist, und genau das bringt ihr neue Interessenten. Gerade das Tapezieren, das viele im Handwerk eher vermeiden, gehört für sie einfach dazu. Auch die eher männerdominierte Branche sieht sie entspannt. Ihre Auftraggeber schätzen vielleicht genau das an ihr: dass sie Kreativität und Ideen mitbringt. Und wahrscheinlich ist diese Herangehensweise mit Feingefühl sogar ihr größter Vorteil.

Foto: Sara Neidhardt
Ich finde es toll, was eine Farbe an Emotionen bewirken kann.
Ein zentraler Teil ihrer Arbeit: die Farbberatung. Denn nur wenige wissen auf Anhieb, welche Farbe sie sich wünschen. „Man muss den Raum sehen – und die Menschen“, sagt sie. Licht, Möbel, Böden, Stimmung: all das spielt zusammen. Für Maria ist Farbe nichts Beliebiges, sondern etwas sehr Persönliches. „Ich finde, nicht jede Farbe passt zu jedem Menschen.“ Wie schnell sich Räume verändern lassen und die Atmosphäre sich wandelt, ist etwas, das sie besonders fasziniert. „Man sieht innerhalb weniger Stunden ein Ergebnis.“ Und vor allem auch, welche Wirkung Farbe auf die Emotionen haben kann. Besonders gern arbeitet sie mit erdigen Tönen – ruhig, unaufgeregt, stimmig. Ganz ohne Plan geht sie dabei selten an die Arbeit. Sie überlegt sich vorher, was funktioniert, verlässt sich aber auch auf ihr Gefühl. Und manchmal darf es bewusst mehr sein. „Viele trauen sich nicht an Farbe oder Muster ran“, sagt sie. „Dabei kann man es jederzeit wieder ändern oder mit Möbeln einen Wandel reinbringen.“ Der schönste Moment für Maria? Das ist kein einzelner: „Wenn ich den Eimer öffne und die Farbe sehe, wenn das fertige Ergebnis sichtbar ist – oder wenn mir Kunden später Fotos schicken, wie der Raum mit Möbeln wirkt.“ Dann zeigt sich, was sie geschaffen hat: nicht nur eine Wand, sondern ein Gefühl.

