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The art on plate
Wenn Fingerfood zum Kunstwerk wird
Lesezeit: 3 Min.

von Max Friedl
Mettigel, Party-Picker, Mayo-Eier, Hawaii-Toast – wer mit solchen Snacks beim Mitbring-Buffet aufschlägt, erntet heute eher schiefe Blicke als Nachschlag … oder? Was zwischen den 70ern und späten 90ern wie selbstverständlich auf jedem Buffet stand, gilt heute schnell als angestaubt. Altbacken. Thema gegessen. Doch dabei hat sich weniger verändert, als wir gerne glauben.
In Zeiten von Instagram, Pinterest und YouTube scheint die Auswahl an Party-Snacks schier grenzenlos – neue Rezepte, neue Trends, neue Food-Ästhetik. Alles im Dauer-Feed. „S’muss schmecke“ gilt zwar immer noch, wird aber anders bewertet. Es geht nicht mehr nur um Geschmack, sondern auch darum, wie etwas aussieht. Ob es zusammenpasst, ob es wirkt. Statt Mettigel gibt’s jetzt eben Burrata mit gerösteten Pfirsichen, statt Käseplatte ein Charcuterie Board. Klingt cooler, sieht besser aus – folgt im Kern aber einer ähnlichen Idee, allerdings mit anderen Ansprüchen: unkompliziertes Essen für Menschen, die zusammenkommen. Nur, dass wir heute mehr Wert auf Ästhetik legen und uns die Inspiration längst online holen. Statt im inoffiziellen Magnum Opus der deutschen Buffetkultur „Kalte Küche – lecker – praktisch – schnell“ nachzuschlagen, wird schnell mal der Account „theartofplating“ gecheckt. Lieber noch ein paar geröstete Pinienkerne drüber – sicher ist sicher. Dabei reden wir uns gern ein, es wäre alles aufwendiger geworden. Ist es aber nicht unbedingt. Denn Hand aufs Herz: Wer von uns hat schon mal einen Mettigel gemacht? Eben.
Der Teller als Bühne
Dabei reden wir uns gern ein, es wäre alles aufwendiger geworden. Ist es aber nicht unbedingt. Denn Hand aufs Herz: Wer von uns hat schon mal einen Mettigel gemacht? Eben. Der Unterschied liegt woanders. Der Teller ist heute keine Ablagefläche mehr, sondern Bühne. Da wird platziert, geschoben, neu gedacht. Lieber ein bisschen weniger, dafür gezielt. Ein Klecks hier, ein paar Tropfen dort, ein schwungvoller Balsamico-Wischer, auf dem Avocado-Crostini noch schnell ein paar Blütenblätter – und fertig ist das vermeintlich zufällige Arrangement, das ganz offensichtlich keines ist.
Wir tun so, als wäre das Prinzip „Art on Plate“ neu. Früher wurde auch angerichtet – nur eben anders. Damals war es nicht „Art on Plate“, sondern Omas berühmt-berüchtigte Frikadellen, Tante Ernas legendärer Schichtsalat oder die deftige Wurstplatte vom Dorfmetzger. Garniert mit Radieschenblumen, gefächerten Essiggürkchen, Maiskölbchen und diesen ominösen Birnen mit Preiselbeeren. Irgendwie bodenständig. Und ziemlich klar in dem, was es sein wollte: einfach lecker.

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Heute wird reduziert, geschichtet oder bewusst auseinandergeschoben – und ja, das hat seinen Reiz. Heute geht es stärker darum, wie etwas wirkt, wie Farben zusammenspielen, wie ein Teller Ruhe bekommt – und wo eben nicht. Wie aus einer Mahlzeit ein Kunstwerk werden kann. Das macht richtig Spaß, keine Frage. Neu ist es allerdings nicht. Wir haben die Idee vom schönen Anrichten nicht erfunden, wir haben sie nur neu verpackt. Früher galt: viel hilft viel. Heute: weniger ist mehr. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen, denn Essen darf gut aussehen. Es darf sogar ein kleines Kunstwerk sein. Die „Art on Plate“ sollte nur nicht wichtiger werden als das, was schon immer gezählt hat: dass es schmeckt und man es gerne teilt. Und vielleicht machen wir das ganze Brimborium auch gar nicht nur für uns selbst. Denn satt macht auch ein dickes Käsebrot mit ordentlich Butter. Ein bisschen machen wir das eben doch auch, um anderen eine Freude zu bereiten. Für diesen kurzen Moment, in dem jemand auf den Tisch schaut, die Augen groß werden und sich denkt: „Schaut guad aus.“
Egal ob Pumpernickel mit Eiersalat oder Parmesan-Tuiles mit Trüffelcreme: Gutes, ehrliches Essen verbindet wie kaum etwas anderes. Umso mehr, wenn’s schön angerichtet ist. Am Ende ist es genau das, was zählt: zusammenkommen, gemeinsam essen, genießen und sich denken – grod schey is.
Bon appétit!
