5. Oktober 2026
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Da geht was!

frauenInitiative „Weiberwerk“

Lesezeit: 5 Min.

von Reiner Wittmann

Frauen verdienen nicht nur weniger als Männer, wie die Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik belegen, sie haben generell schlechtere berufliche Aussichten. Die Kemnather Initiative „WeiberWerk“ bringt Frauen aus unterschiedlichen Berufs- und Lebenswirklichkeiten zusammen, um daran etwas zu ändern.

Berufliches Netzwerken unter Frauen kann viele Gesichter haben. Es kann einen formellen Rahmen haben, wie etwa das Frauen-Mentoring-Programm der OTH Amberg-Weiden, das sich explizit an Studentinnen, Absolventinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen wendet. Oder das Netzwerk „Frauen in der Wirtschaft“, das von der IHK Regensburg koordiniert wird, und auf Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen zielt. „Das sind alles gute Ideen“, findet Jessika Wöhrl-Neuber, „doch wir wollten mit unserer Initiative ‚WeiberWerk‘ etwas schaffen, das für alle Frauen da ist, weil die Frauen häufig vor ähnlichen Problemen stehen. Egal ob sie im Einzelhandel, im sozialen Bereich oder in der Industrie arbeiten – oder selbstständig sind.“

Von der Idee …

Die Sozialpädagogin Wöhrl-Neuber leitet in Kemnath (Kreis Tirschenreuth) das Bürger- und Familienzentrum Mittendrin und ist Mitinitiatorin von „WeiberWerk“. Als im Jahr 2020 die damalige Personalchefin des Kemnather Werks von Siemens Healthineers, Elisabeth Bayer, die Idee eines offenen Netzwerks für Frauen an sie heranträgt, ist sie schnell begeistert: „Super! Das passt perfekt zu unserem Angebot!

Frauen treffen nach wie vor auf einen Arbeitsmarkt, auf dem sie nicht gleichberechtigt sind. Ihre Verdienst- und Aufstiegschancen sind schlechter als die von Männern und sie stehen so oft auch im Alter schlechter versorgt da. „Viele Frauen leiden vor allem unter der Doppelbelastung durch Familie und Beruf, obwohl sie beides gerne machen, ihren Job lieben und ihre Familie sowieso. Trotzdem haben sie oft ein schlechtes Gewissen, empfinden ihr Engagement im Beruf als Belastung für die Familie und umgekehrt“, stellt Wöhrl-Neuber immer wieder fest.

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Nachvollziehbar. Wer nach einem langen Arbeitstag, vielen Meetings oder nörgelnden Kunden an der Supermarkt-Kasse, noch einen Kinderarzttermin wahrnehmen muss, ein gesundes Abendessen auf den Tisch zaubern soll und dem Nachwuchs eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen möchte, dem bleibt nicht viel Zeit für die hochgepriesene Work-Life-Balance.

… zur Tat

Im Februar 2020 findet die Auftaktveranstaltung im Mittendrin statt. Sofort stoßen die Initiatorinnen auf großes Interesse, über 40 Frauen aus den verschiedensten Berufsgruppen folgen der Einladung. „Mittlerweile ist das Netzwerk auf einen regelmäßig teilnehmenden Kreis von bis zu 60 Frauen angewachsen“, sagt Wöhrl-Neuber stolz. „Die Frauen kommen sogar aus Regensburg oder Neumarkt. Sie sagen: So etwas gibt es bei uns nicht.‘“

Offen für alle …

Ein offenes Netzwerk heißt, es ist: offen. Offen für Frauen jeden Alters, für Berufseinsteigerinnen genauso wie für Frauen, die kurz vor der Rente stehen. Offen für Frauen aller Branchen und Hierarchiestufen. Offen für Verheiratete, Singles, Mütter oder Kinderlose. „Es ist uns wichtig, dass die Frauen in einem ansprechenden Rahmen zusammenkommen und sich über berufliche Themen austauschen können, sowie Unterstützung bei auftauchenden Hürden bekommen.“

Vier- bis fünfmal im Jahr treffen sich die Frauen, einfach zum Plaudern, zum Netzwerken, aber beispielsweise auch zu berufsrelevanten Vorträgen, After-Work-Partys oder Workshops, die von den Teilnehmerinnen selbst angestoßen werden. „Jede Frau kann hier Vorschläge unterbreiten, sich gerne organisatorisch einbringen und zum Beispiel Kontakt mit einer potenziellen Referentin aufnehmen oder eine Veranstaltung planen und moderieren.“

Mitmachen kein Muss

Mitmachen ist gerne gesehen, aber kein Muss. „Allerdings benötigt man einen harten Kern“, betont Wöhrl-Neuber. Der ist oft fluide, die Personen wechseln, weil andere Dinge in ihrem Leben in den Vordergrund rücken oder weil sie sich beruflich verändern, wegziehen. Und so hat sich auch aus dem ehemaligen Initiatorinnenkreis eine neue Mannschaft entwickelt.

Wöhrl-Neuber ist dabei in all den Jahren eine Konstante im Team geblieben. Als Leiterin des Familien- und Bürgerzentrums Mittendrin ist die Sozialpädagogin festangestellt, doch auch sie bringt zahllose ehrenamtliche Stunden ins „WeiberWerk“ ein, alle anderen engagieren sich ohnehin rein ehrenamtlich. Mittendrin stellt der Initiative darüber hinaus Infrastruktur zur Verfügung, wie etwa passende Räumlichkeiten: „Das sehe ich als wichtigen Faktor an“, betont sie im Gespräch.

Überall möglich

Trotzdem hält sie solche Initiativen auch andernorts für möglich. „Worauf es wirklich ankommt, ist das Engagement einzelner.“ Nachahmerinnen rät sie daher, eine kleine Truppe mit treibenden Kräften zusammenzustellen. „Dann taucht aber tatsächlich bald die Frage nach einem geeigneten Raum auf. Da sollte man nach Verbündeten suchen. Vielleicht gibt es jemanden bei der Kommune, der weiterhilft oder eine Firma, die einen großen Besprechungsraum zur Verfügung stellt?“ Schließlich sei so eine Initiative immer auch ein Standortfaktor, der Menschen anziehen und halten kann.

Wer sich für „WeiberWerk“ interessiert oder sich Rat holen möchte für eine eigene Initiative, kann sich gerne direkt an Jessika Wöhrl-Neuber wenden. Nähere Informationen und Kontaktdaten gibt es auf der Webseite: www.mittendrin-kemnath.de

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Wie kann man als Frau weiterkommen?

Netzwerke nutzen:

Netzwerke sind entscheidend, um Chancen zu erkennen und Unterstützung zu erhalten. Das „WeiberWerk“ macht’s vor.

Sichtbarkeit stärken:

Bewusst Erfolge kommunizieren. Eine Strategie ist, sich als Expertin für bestimmte Themen zu positionieren, etwa durch Vorträge oder Projekte mit hoher Sichtbarkeit.

Professionell verhandeln:

Die Gender-Pay-Gap entsteht oft schon bei der Einstellung. Frauen sollten Marktwerte recherchieren, Leistungen konkret benennen, selbstbewusst auftreten, Alternativen verhandeln.

Kompetenzen ausbauen:

In „männlichen“ Branchen wie IT oder Ingenieurwesen machen technische Expertise und Führungsqualitäten Eindruck. Mit Weiterbildungen können sich Frauen profilieren.

Vorurteile erkennen:

Frauen können auf unbewusste Vorurteile stoßen. Mit überlegten Strategien kann „frau“ damit umgehen: Kompetenz demonstrieren, Allianzen bilden, Feedback einfordern.

Auf Work-Life-Balance achten:

Frauen tragen zumeist eine höhere Last an der Care-Arbeit. Um in Führungspositionen zu bestehen, ist es wichtig, klare Grenzen zu setzen und Unterstützung einzufordern.

Vorbild suchen, Vorbild sein:

Frauen sollten nach Vorbildern suchen – in der eigenen Branche, in Medien oder in Netzwerken. Gleichzeitig können sie selbst als Vorbild für andere Frauen wirken und diese unterstützen.

Erschienen in „#Oberpfälzerin“, Frühjahr/Sommer-Ausgabe 2026

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