14. August 2026
Headerbild: Sara Neidhardt

Gold. Schmuck. Feingefühl.

frauen im Kunsthandwerk

Lesezeit: 2 Min.

von Lea-Mareen Kuhnle

Ein Metallstück liegt bereit, ein Hammerschlag hallt durch die Werkstatt, Präzision ist gefragt. Es ist laut, kraftvoll – und doch entsteht hier etwas Filigranes. Pia Gruhle sitzt am Werktisch, hält ein unscheinbares Stück Gold in der Hand. Noch matt, noch unfertig – doch genau darin liegt der Reiz. Denn erst durch Arbeit, Geduld und Gefühl entsteht am Ende das, was bleibt: ein einzigartiges Schmuckstück mit Charakter.

Dass sie einmal Goldschmiedin wird, wusste Pia Gruhle aus Weiden erstaunlich früh. Mit zwölf Jahren besuchte sie im Familienurlaub eine Goldschmiede am Bodensee – ein Moment, der alles veränderte. Zurück im Alltag ließ sie das Handwerk nicht mehr los. Sie begann Draht zu biegen und Ringe für Freundinnen zu fertigen. Schon damals war klar: Das ist mehr als ein Hobby.

Heute ist sie Goldschmiedemeisterin und führt gemeinsam mit ihrem Mann eine eigene Werkstatt. Und obwohl sich auch ihr Beruf technisch weiterentwickelt hat, bleibt sie ihrer Linie treu. „Man könnte vieles am Computer entwerfen“, sagt sie. „Aber das erfüllt mich nicht.“ Pia braucht das Material, das Anfassen, das direkte Arbeiten. Denn Goldschmieden ist nicht nur kreativ und feine Detailarbeit. Es ist auch körperlich. Es wird gehämmert, gezogen, geformt. „Es ist nicht immer nur filigran – man braucht auch Muskelkraft und muss wissen, wie man diese einsetzt.“ Genau diese Mischung macht für sie den Reiz aus. Die Ideen beginnen oft im Kopf. Doch was am Ende entsteht, zeigt sich erst im Prozess mit Fingerfertigkeit und räumlicher Darstellung. „Aber das Bild im Kopf stimmt nicht immer mit der Realität überein“, sagt sie. Gerade das macht ihre Arbeit lebendig. Auch bei Aufträgen lässt sie Raum für Entwicklung – immer im Austausch mit den späteren Trägern. Denn ein Schmuckstück, davon ist sie überzeugt, muss zum Menschen passen.

Foto: Sara Neidhardt

Der Ursprung meiner Arbeit ist gar nicht so edel, aber durch die Bearbeitung kommt der Glanz.

Inspiration findet sie überall: in der Natur, in Museen oder einfach im Alltag. Manchmal reicht ein kurzer Moment, ein Detail – und daraus entsteht etwas Neues. „Besonders spannend finde ich Schmuckstücke mit persönlichen Geschichten dahinter.“ Jedes Stück, das ihre Werkstatt verlässt, ist ein Unikat. Keine Serie, keine exakte Wiederholung. Das ist für Pia ein klares Statement und hat großen Wert. „Schmuck soll bleiben – nicht nur für eine Saison.“

Der Moment, in dem ein Stück seinen Glanz bekommt, ist für sie etwas Besonderes. Wenn aus der rohen Oberfläche ein fertiges Schmuckstück wird. Doch Perfektion ist dabei nicht mehr ihr Maßstab. „Das nicht ganz Perfekte macht ein Stück erst spannend – wie in der Natur“, erklärt Pia. Und genau dieses Gefühl möchte sie weitergeben. Ihr Rat an andere Frauen: auf das eigene Bauchgefühl hören, sich nicht verunsichern lassen. Denn Kreativität braucht Mut – und manchmal einfach den ersten Schritt.

Foto: Sara Neidhardt

Erschienen in „#Oberpfälzerin“, Frühjahr/Sommer-Ausgabe 2026

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