Headerbild: Sara Neidhardt

Ton. Glasur. Kreativität.
frauen im Kunsthandwerk
Lesezeit: 2 Min.

von Lea-Mareen Kuhnle
Der Ton dreht sich auf der Scheibe, die Hände formen, streichen, drücken – und plötzlich wird aus einem simplen Klumpen Material ein kleines Kunstwerk. Hier im Atelier von Sabine Sommer verschmilzt Handwerk mit Kreativität, Vergangenheit mit Gegenwart – und man spürt: Kunst entsteht nicht nur im Kopf, sondern in den Händen.
Mit 16 Jahren beginnt Sabine Sommer ihre Ausbildung zur Kerammodelleurin – ein Beruf, der heute durch die Digitalisierung praktisch verschwunden ist. Schnitzen, Formen, Reliefs gestalten, an der Scheibe drehen, mit Gips arbeiten und die Prototypen für zahlreiche Kollektionen des Porzellanherstellers mit eignen Händen formen – das gehört lange zu Sabines Alltag.
Heute ist sie technische Produktentwicklerin, setzt Designs digital um, fertigt Prototypen mit 3D-Programmen und -Druckern – gleich, aber eben doch anders. „Es ist einfach nicht mehr handwerklich“, sagt sie. Zeitweilige Werksschließungen durch die Pandemie und dadurch entstandene Freiräume bringen sie zurück zu ihrem ursprünglichen Handwerk. „Ich habe gemerkt, dass ich einen Ausgleich zum Bürojob brauche. Ich war überwiegend eine Maus-Klickerin“, sagt sie und lacht. In ihrem Zuhause in Weiden greift sie wieder zum Ton – und entdeckt eine Leidenschaft neu. Das erste Mal ganz für sich privat. Heute ist das Töpfern an der Drehscheibe und auch das freie Formen Sabines kreativer Rückzugsort. Ohne Vorgaben, ohne Aufträge, ohne Druck: „Ich mache nur das, woran ich selbst Freude habe.“ Die Ideen kommen von innen, teilweise inspiriert von Strukturen aus der Natur. Obwohl sie meist eine Vorstellung im Kopf hat, bringt der Ton seine eigene Dynamik mit. „Manchmal wird es ganz anders – und genau das macht es spannend.“

Foto: Sara Neidhardt
Man muss den Perfektionismus hinten anstellen – und es einfach fließen lassen.
Für Sabine ist kunstvoll nicht gleichbedeutend mit Perfektion. „Es darf alles frei und unregelmäßig sein, aber die Proportionen müssen am Ende passen, damit alles stimmig ist.“ Kleine Unebenheiten gehören dazu – sie geben den Stücken Charakter und Lebendigkeit. Der magischste Moment für Sabine? „Wenn ich den Ofen öffne und das fertige Stück sehe. Erst dann weiß ich, ob alles gelungen ist, wie die Glasur verlaufen ist und diese hoffentlich keine Risse und Poren hat.“
Was sie selbst wiederentdeckt hat, gibt sie heute weiter. In ihren Töpferkursen lädt sie andere ein, den Ton selbst zu entdecken, auszuprobieren und loszulassen. In der heutigen digitalen Zeit sollten wir nicht verlernen mit den Händen zu arbeiten und dabei Kreativität zu spüren. Ihr Appell: „Man muss den Perfektionismus hinten anstellen – und es einfach fließen lassen.“

